The Deep Edition The Deep Edition
Standards · Quellen · Korrekturen

Redaktion & Arbeitsweise

Zeigt, wer hinter den Inhalten steht und nach welchen redaktionellen Standards recherchiert, geprüft und aktualisiert wird.

Vor jeder Veröffentlichung

Zwei Faktenprüfungen, eine Gegenlesung, ein benannter Verantwortlicher. Was diese Reihenfolge nicht übersteht, geht nicht in den Newsletter.

Politik
Recherche
Wirtschaft
Kultur
Wissen
Redaktionstisch am Abend mit umgedrehten Ausdrucken und Schnee am Fenster

Wie eine Geschichte bei uns entsteht

Jede Veröffentlichung beginnt mit einer Frage, die sich beantworten lässt, und endet mit einer Akte, in der steht, wer sie beantwortet hat. Zwischen diesen beiden Punkten liegen bei uns vier Arbeitsschritte, und keiner davon wird übersprungen, weil eine Deadline drückt. Der Grund ist unspektakulär: Ein Bericht ist nur so belastbar wie der schwächste Beleg, auf dem er steht. Deshalb dokumentieren wir jeden Schritt so, dass eine Kollegin ihn später nachvollziehen kann, ohne uns zu fragen.

Wir arbeiten themenoffen, aber nicht beliebig. Politik und Hintergrund, investigative Recherchen, Wirtschaft und Finanzen, Kultur und Debatte sowie Wissenschaft und Technologie teilen sich dieselbe Prüfroutine. Der Unterschied liegt im Material: Eine Ministeriumsentscheidung braucht Dokumente, ein Laborthema braucht Fachleute, die widersprechen dürfen. Der Weg zur Veröffentlichung bleibt derselbe.

Eine Quelle, die wir nicht erklären können, drucken wir nicht.

Redaktionsgrundsatz, Düsseldorf

Zwei Faktenprüfungen, bevor etwas erscheint

Die erste Prüfung macht die Autorin oder der Autor selbst: Jede Zahl, jedes Zitat und jede Dokumentenangabe wird gegen das Original gelegt, nicht gegen eine Abschrift. Die zweite Prüfung übernimmt eine zweite Person aus der Redaktion, die nicht am Text beteiligt war. Sie sucht nicht nach Stilfehlern, sondern nach der einen Stelle, an der eine Behauptung ohne Beleg dasteht. Findet sie keine, unterschreibt sie mit Kürzel; findet sie eine, geht der Text zurück.

Bei investigativen Recherchen kommt ein dritter Schritt hinzu: die Gegenlesung durch die Rechtsabteilung, sobald ein Text eine Person, ein Unternehmen oder eine Behörde erkennbar belastet. Dort prüfen wir, ob jede zugeschriebene Handlung aus unseren Dokumenten folgt und ob wir die betroffene Seite ausreichend angefragt haben. Erst danach wird gesetzt. Diese Reihenfolge ist der Grund, warum sich manche Veröffentlichung um Tage verschiebt.

Vier Schritte von der Idee zur Veröffentlichung

Thema und Auftrag

Die Redaktion entscheidet in der Wochenrunde, welches Thema genug Substanz für eine eigene Veröffentlichung hat. Wir fragen dabei zuerst, was sich daran überprüfbar zeigen lässt, und erst danach, ob es ein Publikum findet.

Für jedes Thema wird eine verantwortliche Person festgelegt, die auch nach der Veröffentlichung für Rückfragen und Korrekturen erreichbar bleibt.

Recherche und Belege

Wir arbeiten mit Dokumenten, Vor-Ort-Terminen und Gesprächen mit Fachleuten. Jede Aussage im späteren Text bekommt eine Zuordnung: Aktenzeichen, Gesprächsprotokoll oder benannte Primärquelle.

Anonyme Quellen setzen wir nur, wenn die Information anders nicht zu erhalten ist und wir ihre Glaubwürdigkeit intern begründen können.

Prüfung und Freigabe

Zwei Faktenprüfungen, eine Gegenlesung, bei belastenden Texten zusätzlich eine rechtliche Prüfung. Die Freigabe erteilt nicht die Autorin, sondern die prüfende Person – sie trägt die Verantwortung für die Belegkette.

Texte, die diese Stufe nicht mit vollständigen Belegen passieren, bleiben unveröffentlicht – auch fertig geschriebene.

Wer die Texte verantwortet

Hinter jeder Veröffentlichung steht ein benannter Name und eine feste Rolle in der Ablauforganisation. Wir nennen die Zuständigkeiten, weil eine Redaktion ohne klare Verantwortung keine belastbaren Korrekturwege hat.

Chefredaktion · Königsallee 46, Düsseldorf

Themenentscheidung und letzte Freigabe

Die Chefredaktion entscheidet, welche Recherchen in den Wochenplan kommen, und trägt die Verantwortung für die letzte Freigabe. Sie prüft jeden Text auf zwei Fragen: Steht jede Behauptung auf einem Beleg, den wir im Haus zeigen können? Und ist die betroffene Seite ausreichend angefragt worden? Erst wenn beide Antworten ja lauten, geht der Text in die Produktion.

Von hier kommen auch die Entscheidungen zu Rücknahmen und Korrekturen. Wer eine Passage beanstandet, landet unabhängig vom Anfragedatum zuerst bei uns.

Zwei Redakteurinnen prüfen gemeinsam Ausdrucke am Redaktionstisch
Faktenprüfung

Gegenprüfung jeder Zahl

Eine zweite Person vergleicht Zahlen, Namen, Orte und Zitate mit den Originaldokumenten – nicht mit der Abschrift der ersten Prüfung.

Recht & Gegenlesung

Prüfung vor belastenden Texten

Bei jeder Zuschreibung belastenden Handelns prüfen wir, ob unsere Dokumente die Aussage tragen und ob alle Seiten angefragt wurden.

Aktualisierung

Wirtschaftliche Zahlen und politische Verfahren ändern sich nach der Veröffentlichung. Wir kennzeichnen deshalb am Textende, wann ein Beitrag letztmals inhaltlich geprüft wurde – und was sich seither geändert hat.

Hände sortieren umgedrehte Ausdrucke auf einem Redaktionstisch
Politik & Hintergrund
Investigative Recherchen
Wirtschaft & Finanzen
Kultur & Debatte
Wissenschaft & Technologie

Warum wir Fehler offen ausweisen

Eine Redaktion, die ihre Fehler versteckt, macht sich selbst unbrauchbar. Wir haben deshalb einen festen Weg für Korrekturen: Wer eine falsche Angabe entdeckt, meldet sie uns mit dem Hinweis auf die Passage. Die zuständige Autorin prüft den Hinweis gegen das Original und antwortet, auch wenn wir nichts ändern. Bestätigt sich der Fehler, korrigieren wir den Text und versehen ihn mit Datum und einer kurzen Beschreibung der Änderung. Nur bei schweren Fehlern in der Aussage eines Textes nehmen wir ihn ganz zurück; das kommt vor und wird dann auch als Rücknahme benannt, nicht als Löschung getarnt.

Dasselbe gilt für Aktualisierungen. Beiträge zu laufenden Verfahren, zu Quartalszahlen oder zu Gesetzesvorhaben prüfen wir erneut, sobald sich die Lage ändert, und tragen das Ergebnis am Text ein. Wir datieren dabei auf den Tag der Änderung, nicht auf den Tag des ersten Erscheinens – sonst kann niemand nachvollziehen, welcher Stand galt, als er den Text gelesen hat.

Das ist der Teil unserer Arbeit, der am wenigsten sichtbar ist und am meisten kostet. Er entscheidet aber darüber, ob unsere Transparenz bei Korrekturen und Aktualisierungen glaubhaft bleibt oder nur eine Formulierung ist.

So melden Sie es
  • Beitrag und Passage nennen. Ein Zitat reicht, eine Seitenzahl hilft.
  • Beleg mitschicken, falls vorhanden. Ein Link oder ein Dokumentauszug genügt.
  • Antwort abwarten. Wir melden uns in jedem Fall zurück.
Hinweis senden

Redaktionelle Standards lassen sich nicht in einem Satz erklären.

Deshalb haben wir die Punkte aufgeschrieben, an denen wir uns messen lassen: Quellenprüfung, Umgang mit Fehlern und der Weg der Aktualisierung. Wenn Sie einzelne Schritte genauer nachlesen möchten, schreiben Sie uns.

Kontakt zur Redaktion · Mo–Fr 09:00–18:00

Fragen zur Methodik, Hinweise zu Belegen oder Beschwerden erreichen uns direkt.

The Deep Edition · Königsallee 46, 40212 Düsseldorf · +49 211 58692370

Was Sie bei uns erwarten können

Wir schreiben keine Zitate aus anderen Redaktionen zusammen und nennen unsere Quellen so konkret wie der Schutz der Beteiligten es zulässt. Wir kennzeichnen bezahlte Inhalte, falls es sie gibt, und wir trennen Meinungsbeiträge sauber von Nachrichten. Kommentare tragen den Namen der Autorin oder des Autors, Nachrichten die Prüfkette aus zwei Faktenkontrollen.

Treppenhaus eines Berliner Ministeriums in der Dämmerung

Vor Ort recherchieren heißt bei uns: Termine in Ministerien, Laboren und Betrieben, nicht nur Gespräche am Telefon.

Häufige Fragen zur Arbeitsweise

Wie prüfen Sie anonyme Quellen?

Wir setzen sie nur, wenn eine Information anders nicht zu erhalten ist. Die zuständige Redakteurin dokumentiert intern, warum wir die Quelle für glaubwürdig halten und woher sie die Information hat. Der Text nennt dann so viel Kontext wie möglich, ohne die Person erkennbar zu machen.

Erscheinen bezahlte Inhalte bei Ihnen?

Nachrichtenbeiträge und Analyse entstehen ohne Einflussnahme von außen. Sollte eine Veröffentlichung je finanziell unterstützt werden, wird sie sichtbar am Text gekennzeichnet und unterliegt derselben Prüfkette wie jeder andere Beitrag.

Wie lange dauert eine Recherche?

Das hängt am Material. Eine Analyse mit offenen Quellen geht schneller als eine investigative Recherche, die Dokumente anfordern und mehrere betroffene Stellen anfragen muss. Wir verschieben lieber eine Veröffentlichung, als eine unfertige Prüfung zu übergehen.

Wie erfahre ich, dass ein Text aktualisiert wurde?

Aktualisierte Beiträge tragen am Ende ein Datum und eine kurze Beschreibung der Änderung. Bei inhaltlichen Korrekturen steht dort zusätzlich, was vorher falsch war, damit der Text für alle nachvollziehbar bleibt, die ihn früher gelesen haben.

Kann ich als Leser Einfluss auf Themen nehmen?

Hinweise auf Themen und auf Stellen, an denen wir falsch liegen, sind willkommen. Wir lesen jede Zuschrift und antworten, wenn sie eine Prüfung auslöst. Was wir nicht annehmen, ist Vorgaben dazu, was ein Text am Ende sagen soll.

Wo finde ich die Methode hinter investigativen Texten?

Ein Überblick über den Rechercheweg steht im Ressort Investigative Recherchen. Dort ist beschrieben, wie wir Dokumente auswerten, wie wir betroffene Personen anfragen und warum manche Vorhaben nie als Text erscheinen.